Die Stadt 2000


Uns fehlt eine Szene!

Ein Interview mit dem Medienkünstler Michael Touma.
Das Interview wurde von Gabie Heinze geführt.

Michael Touma, Jahrgang 1956. Geboren in Haifa, Israel. Lebt seit mehr als zehn Jahren in Leipzig. 1990 beendet er an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst bei Prof.
B. Heisig im Fachbereich Malerei & Graphik seine Studium. Kurz darauf beginnt er sich mit dem Computer als künstlerisches Ausdrucksmittel zu beschäftigen.

Hoehepunkte dieser Auseinandersetzung bis heute waren:
1992
Herausgabe von "Prozess" (mit Tjark Ihmels), der einzigem (bis heute) unabhängigen Kunstzeitschrift im Medienbereich, die in Leipzig erschienen ist.
1994
»Der andere Raum« (mit Tjark Ihmels) Installation - große digitale Drucke in Werbeleuchtkästen der Stadt Leipzig.
1994-1997
Mitbegründer der Medien Künstlergruppe »Die Veteranen« (Veroeffentlichung der CD-ROM's »Die Veteranen» und »Venetian Deer«)
1998-1999
Gruendung von Black-Hound (Independent Label for Art & Multimedia Productions). »The City« ist die erste CD-ROM Produktion von Black-Hound. Anlässlich der Eröffnung seiner Galerie in der Pfaffendorfer Str. 33 in Leipzig hat G. Heinze ein Gespräch mit Herrn Touma gefuehrt

G. Heinze: Erst gründest du ein Label, dann eine Galerie. Hast du die Kunst völlig aufgegeben?

M. Touma: Nein. Vielmehr Konsequenzen aus den Erfahrungen gezogen, die ich in den letzten Jahren gesammelt habe.

G. Heinze: Wie meinst du das?

Die Galerie (Raum 1)

M. Touma: Meine Arbeit im Bereich von Multimedia und besonderes die Herstellung von
CD-ROM's haben mir gezeigt, dass die Produktion einer CD-ROM nur die halbe Arbeit ist, ihr Vertrieb, Bekanntmachung und letztendlich Verkauf ist die andere Hälfte. Und wenn du diese Hälfte nicht schaffst, dann kannst du in diesem Bereich nicht weiter machen.

G. Heinze: Aber das ist auch in jedem anderen Bereich der Kunst so.

M. Touma: Ja bestimmt, aber ich habe mich fuer diesen Weg entschieden, weil ich glaube,
kein anderer kann mich und meine Arbeiten besser als ich selbst präsentieren.

G. Heinze: Wie stellst du dir das vor? Wird dein Label funktionieren? Schaffst du es, selbst deine CD-ROM's zu produzieren, zu vertreiben und noch dazu künstlerisch zu gestalten?

M. Touma: Tja, da sind wir natürlich im Bereich der schweren Entscheidungen gelandet. Ich habe mich entschieden, fuer meine zukünftigen Produktionen mehr im Bereich von Herstellung, Konzeption und als Produzent und Manager zu agieren.

G. Heinze: Also doch weniger Kunst...

M. Touma: Sagen wir so: Ich habe immer gehofft, dass mir jemand diese Arbeit abnimmt. Ich werde nicht jünger, ich will noch einiges tun. Also nehme ich mein Schicksal in meine Hände.
Es ist weniger wichtig fuer mich, ob meine Handschrift in der CD zu lesen ist, als vielmehr die Produktion an sich. Deshalb will ich eine Reihe von CD's produzieren und das bedeutet interessante Konzepte, Organisation, Vertrieb und letztendlich eine vernuenftige Infrastruktur, die neue Produktionen ermoeglichen wird.

Aus die Installation "Im Spiegel der Zeit" (Raum 2)

G. Heinze: Welche Platz nimmt die Galerie hierbei ein?

M. Touma: Wie du weißt, ist Black-Hound schon seit einiger Zeit auf dem Internet vertreten. Diese Internetseite ist auch mit einer virtuellen Galerie versehen...

G. Heinze: Eine Verkaufsgalerie?

M. Touma: Ja, das stimmt. Man kann Bilder, Bücher, CD-ROM's durch das Internet bei mir erwerben. Aber zurück zur Eröffnung der Galerie. Ich will Rahmen schaffen, wo Leute, ob Literaten, Musiker, Graphiker oder Informatiker und natürlich Laien, die sich mit der multimedialen Anwendung ihrer Bereiche befassen, sich treffen können. Und es wird zum Austausch von Gedanken führen. Deshalb die nächste Ausstellung unter dem Titel
»CD-ROM! Ein Medium zwischen Untehaltung und Kunst«.

Uns fehlt eine Szene, um dieses Medium lebendig und interessant zu machen.

Leipzig, den 27.12.99

TOUMA artGALLERY Pfaffendorfer Str. 33, 04105 Leipzig, Tel. & Fax 0341/590 47 60, www.black-hound.com, e-mail: michael.touma@okay.net.
nächste Eröffnung: 3.3.2000, 20 Uhr: Ausstellung »Schatten«